Thumulla.com

Adjektivbildung

Adjektive, Eigenschaftswörter, Wiewörter, passen sich in ihrer Flektion, Beugung, den dazugehörigen Substantiven an. Sie haben also keine eigenen starken oder schwachen Muster.

Es gibt endungslose Adjektive - schön, schnell, klein - und solche, die durch ein Suffix, eine Nachsilbe, am Stamm eines anderen Wortes, eines Verbs oder Substantivs, gebildet werden.

Unverkennbare adjektivischen Endungen sind -ig, -isch, -sam und -lich. Die gebräuchlichste ist -lich. In -lich erkennt man die Nähe zu der englischen Endung -ly, die aus einem Adjektiv ein Adverb macht. Auch im Deutschen haben viele Adverbien die Endung -lich.

Diese Silbe lässt sich sogar noch an ein bereits bestehendes Adjektiv anhängen. Das bewirkt entweder eine Schattierung, grün - grünlich, schwach - schwächlich, zart - zärtlich, oder bewirkt eine adverbielle Aussage, gnädig - gnädiglich, ewig - ewiglich, willig - williglich. Sie ist von ihrem Sinn her wie englisch like, gleich, niederdeutsch like, gleich, mittelhochdeutsch gelich. Darin zeigt sich ein Hinweis auf Gestalt, “Leiche”. Die Vorsilbe ge- bedeutete im Mittelhochdeutschen so - wie.

Auch die Nachsilbe -sam entspricht englisch same, gleich, was sich ähnlich erklärt: gleichsam, duldsam, gehorsam.

Suffixe haben oft eine eigene Aussage. So wird durch -bar, angehängt an einen Verbstamm, ein passivischer Sinn vermittelt, waschbar, fassbar, berechenbar, mit der Bedeutung kann gewaschen, gefasst, berechnet werden. Die Nachsilbe -bar hat einen Zusammenhang zu Bahre und englisch to bear, tragen. Beide drücken den passivischen Charakter auf einer konkreteren Ebene aus. Ähnlich verhält es sich mit -haft. Adjektive mit diesem Suffix sagen aus, dass dem Gegenstand etwas sinngemäß anhaftet, Ekel - ekelhaft, wahr - wahrhaft, Bild - bildhaft. Die Nachsilben -en, ern werden Materialien zugeordnet, Holz - hölzern, Eisen -eisern, Wolle - wollen, Ton - tönern.

Andere Adjektive werden noch offensichtlicher mit Nachsilben ausgestattet, die einen eigenen Sinn enthalten. So wird das Adjektiv als Kompositum, Zusammensetzung, auffassbar. Das erweist sich bei solchen mit -los, -voll, -mäßig, -gemäß, -widrig, -arm, -selig, -würdig. Dadurch entsteht eine fast beliebige Produktivität von Adjektiven.

Eine ganz unbedeutende Gruppe hat zwar eine eigene adjektivische Endung, -icht, jedoch gibt es nur wenige Beispiele: töricht, nackicht, neblicht. Sie wirken altertümlich, dichterisch verschroben und haben gebräuchlichere Entsprechungen dusselig, nackt, neblig. Sie sind veraltende Nachsilben. In den Substantiven Dickicht und Röhricht scheinen sie noch erhalten.

Gunhild Simon
26.06.2008

alle    deutsche Sprache    Gunhild Simon    Startseite(__index)



Thumulla.com    Startseite der Artikel    Links und Werbung    Diskussion    Suche auf dieser Seite