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behaupten

Die beiden Verben etw. behaupten und sich behaupten haben so unterschiedliche Inhalte, dass keine rechte Verbindung zwischen beiden herzustellen ist.

Etwas behaupten bedeutet, ohne Begründung oder gesicherte Quelle ein Angabe machen. Dazu gehört das Substantiv Behauptung, unbegründete Aussage.

Das reflexive Verb sich behaupten bedeutet, sich durchsetzen, Widerständen trotzen. Dazu gehört das Substantiv Selbstbehauptung, das Durchsetzungsfähigkeit und Selbstbewußtsein umschreibt.

Gemeinsamkeiten der beiden Verben behaupten und sich behaupten

In beiden Wörtern steckt Haupt, hochsprachlich und veraltet für Kopf. Geläufig ist Haupt noch in Ableitungen wie Oberhaupt – Führer eines Stammes, Staates oder einer Kirche. Daneben steckt es in Häuptling, Hauptmann, Hauptsache, Hauptstadt, Hauptsache, das figürliche Verb enthaupten und seine substantivische Entsprechung Enthauptung, daneben in dem geläufigen überhaupt und in de hochsprachlichen zu Häupten [1], das “darüber stehend, ~ angeordnet” bedeutet. In allen ist ein Bedeutungsfeld von “zuoberst” erkennbar.

Haupt

Haupt liegt das mittelhochdeutsche houbet ‘Kopf, Haupt, Oberhaupt’ zugrunde. Daraus ist seinerseits das mittelhochdeutsche Verb houbeten ‘als Haupt anerkennen’, reflexiv ’sich als Haupt ansehen abgeleitet. Im Englischen erkennt man eine Parallele zu head. Im Spätmittelhochdeutschen tritt behoubeten ‘festhalten, bekräftigen, hinzu.

Haupt, im Sinne von Kopf findet sich in der heutigen Sprache kaum noch allein. Es ist mittlerweile an Wendungen gebunden: “Sein Haupt beugen/ neigen”, scherzhaft in “sein (weises) Haupt wiegen/schütteln”, “erhobenen Hauptes schreiten” für “stolz, unerschrocken einhergehen”, “sein Haupt erheben” als Bild für Aufstand, Aufruhr und Naturgewalt. Darin erblickt man das Bild eines schon besiegt geglaubten Ungeheuers, das, scheinbar bezwungen, wieder zum Leben erwacht und die Menschheit bedroht. [2]

Die heutige Bedeutung von behaupten ist erklären, seine Meinung ausdrücken. Darin schwingt mit, dass Unbewiesenes zum Ausdruck gebracht wird. Das Verb behaupten ist im 17. Jahrhundert aus der Rechtssprache in Gebrauch gekommen. Zugrunde liegt die Bedeutung “seine Aussage behaupten, verteidigen”. Daran wird die ursprüngliche Deckungsgleichheit von “behaupten” und “sich behaupten” deutlich: “seine Aussage behaupten, verteidigen” und “sich behaupten, sich durchsetzen” beschreiben den Sachverhalt des Für-etwas-Einstehens.

Die ursprüngliche Bedeutung des im juristischen Kontext geläufigen, jedoch im Hochdeutschen allein stehenden Verbs, könnte mit der Behandlung eines Reittieres zusammenhängen. Das Tier wird von seinem Reiter am Kopf gefasst, geführt und über den Kopf “im Zaum gehalten” und gelenkt. Dies bringt auch “die Oberhand haben/ behalten” zum Ausdruck.

[1] In “Der Tod in Venedig” beschreibt Th. Mann, wie Gustav Aschenbach in den Morgenstunden eines jeden Tages diszipliniert an seinem Manuskript arbeitet, dem “zu Häupten zwei silberne Leuchter” in Stellung gebracht waren.

[2] “In Neapel hatte sie (die Cholera) mehrfach ihr Haupt erhoben” (Th. Mann: Der Tod in Venedig)

Gunhild Simon
Jul 23 2012

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