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Das Blog oder der Blog - welches Genus ist richtig?

Neue Wörter, die gerade im Umgang mit dem Computer fast zwangsläufig aus der englischen Sprache übernommen werden, machen die Wahl des Genus, des grammatischen Geschlechts, schwer. Denn im Englischen sind alle Substantive außer Personen Neutra. Meist bürgert sich dann dasjenige Genus ein, das uns aus einem entsprechenden Gegenstand in unserer Muttersprache am greifbarsten erscheint.

So assoziiert man wohl in Deutschland mit mail die Post, auch wenn man gerade da im Deutschen auf den Artikel verzichtet, also, “Sie haben Post” wird zu “Sie haben eine Mail”. In der Schweiz und in Österreich heißt es dagegen das Mail.

Der Rechner nennt sich der Computer. Es heißt die CD, obwohl ein Sprachgebildeter bei compact disc nicht nur ein englisches Wort erkennt, also ein Neutrum, sondern auch darin den griechisch-lateinischen Vorläufer discus, i, maskulinum. In dem Sportgerät, der Wurfscheibe, ist dies als der Diskus erhalten geblieben, dagegen legt die Disc die alte Schallplatte als Vergleich nahe. Deshalb hat sich wohl das Femininum etabliert.

Sehr ähnlich verhält es sich mit der Internetseite. Sie heißt auf Englisch site. Das hat zunächst nichts mit side, oder gar page, Seite, zu tun, sondern mit lateinisch situs, us, maskulinum, die Lage. Im Grunde heißt Site also der Ort, die Lage, nicht die Seite. Als einem lateinischen Maskulinum entlehnt müsste die Internetseite eigentlich “der Website” heißen. Dagegen spricht das Sprachgefühl, und die Assoziation einer aufgeschlagenen Seite ist soviel naheliegender als die abstrakte Idee eines Platzes im Netz. Aus diesem Grund geben hier die Nachschlagewerke die Site als die richtige Wahl an.

Die moderne Form einer tagebuchartig geführten Internetseite, öffentlich zugänglich und möglichst täglich, oder zumindest regelmäßig ergänzt, nennt sich Weblog. Das Wort setzt sich zusammen aus englisch web, Netz, und log. In dem letzteren Wort erkennt man das deutsche Wort Logbuch, das Schiffsjournal, wieder. Aber das englische Wort log heißt seinerseits auch Holzklotz, unbehauener Block, aus altisländisch lag, umgefallener Baumstamm. Und jetzt schließt sich der Kreis. Es ist nicht einmal verkehrt, wenn man bei Blog an einen Notizblock denkt. Aber das Schiffstagebuch bezieht sich nicht etwa auf eine hölzerne Schreibunterlage, sondern auf einen Holzklotz, das Log, die Logge. Das ist ein aus dem Englischen entlehntes Wort für den Schiffsgeschwindigkeitsmesser, bestehend aus einem an einer Knotenschnur befestigten Holzklotz, der zur Bestimmung der Geschwindigkeit ins Wasser gelassen wurde. Daraus entstand seinerseits die Messung in Knoten.

Bei Blog steht es dem Schreibenden frei, sich zwischen das Blog und der Blog zu entscheiden, weil sowohl das Log als auch der Block zugrunde gelegt werden können.

Gunhild Simon
8.07.2008

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