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Derselbe oder der Gleiche?

Selb und gleich dienen dazu, um Identität und Ähnlichkeit voneinander abzugrenzen. In derselbe stecken die Fokuspartikeln selbst oder selber. Daran erkennt man, dass derselbe die Identität ausdrückt, sagt der Gleiche etwas über Gleichheit aus. Während derselbe mit allen daran verknüpften Formen in der Regel mit dem bestimmten Artikel verschmilzt, ist diese Verbindung bei gleich nur in einigen wenigen Fällen üblich, desgleichen, dergleichen. Oder noch verstärkt als desselbigengleichen, ein aus der Abendmahlsliturgie vertrautes Wort.

Eine vergleichbare Verschmelzung mit dem bestimmten Artikel oder einem Pronomen ist auch bei einigen anderen Adjektiven - diesseitig, derartig, derzeitig, dergestaltig, diesbezüglich - mehr noch bei einer Reihe von Adverbien und Bindewörtern zu registrieren - derart, dergestalt, derzeit, dieserhalben, deshalb, deswegen, dessentwegen, derentwillen, dessenungeachtet.

An der inhaltlichen Abgrenzung von derselbe und der Gleiche wird auch der eigentlich adjektivische Charakter von derselbe deutlich. Derselbe wird meistens als Artikelwort gebraucht. Als Demonstrativpronomen, zurückweisend auf etwas Genanntes, wirkt es heute stilistisch unschön. Bei den Getrenntschreibungen - eher gesprochene Sprache - ist die Nähe zum Adjektiv noch erkennbar.

Derselbe kommt überwiegend als Artikelwort vor, während es als Demonstrativpronomen nach Kanzleisprache klingt. Artikelwort bezeichnet eine den Artikel vertretende Wortart mit einer spezifisch inhaltlichen Aussage.

Während derjenige als Artikelwort auf etwas Genanntes verweist, bringt derselbe den identischen Charakter des Bezugs zum Ausdruck. Beiden ist sowohl ein adjektivischer Anteil als auch ein Artikelanteil eigen.

vergl. auch blog.institut1: nämlich und derselbe

Gunhild Simon
5.07.2009

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