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Drohne – Metapher für einen Flugroboter

Die Drohne ist eine männliche Biene.

Im Gegensatz zu ihren weiblichen Artgenossen, der Königin und den Arbeiterinnen, haben Drohnen keinen Stachel, kein Bienengift und sind nicht für das selbsttätige Überleben geschaffen. Ihr einziger existentieller Zweck ist die Fortpflanzung, sie sind ein fliegender Geschlechtsapparat. Dazu werden sie gehätschelt, gefüttert und gepflegt. Nach ihrer Mission, der einmaligen Begattung der Jungkönigin, sind sie entbehrlich und todgeweiht. Entweder sie verhungern, sterben an Entkräftung oder werden, falls sie heimkehrten, totgestochen.

Im Bienenstaat gibt es nur ein Prinzip: das Wohl des ganzen Volkes. Daher gibt es eine streng hierarchische Arbeitsteilung. Die Arbeitsbienen verzichten zugunsten der Gemeinschaft nicht nur auf Sexualität und Fortpflanzung, sondern setzen ihre ganze Existenz für das Bienenvolk ein, die Versorgung, den Schutz die Nest-und die Brutpflege. Unterdessen legt die Königin unausgesetzt Eier, die sie aus ihrem lebenslangen Spermienvorrat befruchtet.

Während das männliche Exemplar ein weibliches Genus hat – die Drohne – hat das weibliche, die Bienenkönigin, alleinverantwortlich für die sexuellen Aufgaben, ein männliches grammatisches Geschlecht. Die Königin heißt der Weisel.

Angesichts brennender, strahlender Atommeiler in Japan kam der Begriff Drohne ins Spiel. Unbemannte Aufklärungsflugkörper waren dazu bestimmt, Fotos des havarierten Kraftwerks zu machen, um den in sicherer Entfernung Harrenden einen Überblick über die Lage zu verschaffen.

Im militärischen Sinn ist Drohne ein Sammelbegriff für unbemannte Fluggeräte. Sie liefern entweder als Aufklärer in Echtzeit Bilder oder fliegen als Kampfdrohnen Kampfeinsätze. Sie sind billiger als Piloten, die ihr Leben aufs Spiel setzen. Ihre Existenz als Sache ist damit umrissen. Es sind fliegende Roboter, deren Mission über Bodenstationen, die in der Regel tausende von Kilometern entfernt liegen, gesteuert werden. Als Aufklärungsflieger liefern sie Videomaterial, dessen Daten auch an diesen fernen Bodenstationen ausgewertet wird. Mit steigender Leistungsfähigkeit der Drohnen wird auch die Auswertung immer komplexer. Genau betrachtet werden militärische Entscheidungen in den afghanischen Bergen an einem Rechner in Nevada, USA, getroffen. [1]

Der Begriff Drohne stammt aus der Bienenkunde. Die Bienenkunde gilt von jeher als friedliche Wissenschaft. Der Bienenzüchter ist der Inbegriff von Gelassenheit und Ruhe.

Das friedliche Gesumm täuscht. Das Leben des Bienenvolks ist hart und diszipliniert. Am Flugloch des Stockes inspizieren strenge Wächter die Zurückkehrenden. Fremde und Räuber werden erstochen.

Bienen, insbesondere Königinnen, richten ihr Gift auch gegen Artgenossen. Eine junge, frischgeschlüpfe Königin sticht alle nach ihr schlüpfenden sofort tot, um die Alleinherrschaft zu sichern. Deshalb steckt der Imker die verdeckelten größeren Weiselzellen, in denen sich die Maden verpuppen, um als Königinnen zu schlüpfen, in gesonderte Glasbehälter mit einem kleinen Hofstaat und einer Futterwabe, um sie vor dem Tod zu schützen.

Drohnen sind im Bienenstaat die einzigen, die keinen Stechapparat haben. Das heißt, sie sind unbewaffnet und wehrlos. Jede Arbeiterin kann sie totstechen.

Drohne klingt deshalb weniger bedrohlich als bewaffneter Roboter für einen unbemannten, bodengesteuerten Waffenträger.

In diesem Zusammenhang ist Drohne ein Euphemismus.

Drohnen heißen die unbemannten Flugkörper offenbar wegen ihrer Objekthaftigkeit, fehlenden Entscheidungsfähigkeit und Fremdgesteuertheit.

[1] Differenzierte und kritische Aufschlüsselungen der militärischen Funktionen finden sich in der folgenden Quelle, S. 12-16:
NDR Info – Das Forum – STREITKRÄFTE UND STRATEGIEN (pdf)

Gunhild Simon
Mrz 19 2011

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