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einige – wenige

Formal und inhaltlich ähneln sie sich. Sind sie gegeneinander austauschbar? Welche Merkmale trennen sie, welche sind ihnen gemeinsam?

Beide Wörter beschreiben eine unbestimmte Menge. Sie sind quantifizierend. einige – wie auch etliche, mehrere, alle, manche – nennt man Indefinita, »Nichtdefinierte«. Als Artikelwort charakterisiert das Indefinitum das zugehörige Substantiv, nach dem es sich formal richtet, z. B. vor einiger Zeit, einige Menschen. Als Pronomen, Fürwort, steht es anstelle eines Substantivs: »einige denken ...« Es ist nicht substantivierbar, d. h. mit einem Artikel zu verbinden, *»die Einigen«* denken ...

Als Adjektiv ist einig in der Bedeutung »verbündet, gemeinsam« flektierbar, veränderlich: die einigen Brüder; oder es wird adverbial – unflektiert – gebraucht: Sie gehen einig Hand in Hand. "Zusammengehörigkeit" als der Bedeutungshintergrund für einige ist verblasst. Während das Adjektiv einig eine Eigenschaft, eine Qualität, ausdrückt, hat das Indefinitum einige eine grundlegend andere Bedeutung. Es macht nur eine Aussage über Quantität.

einige kann auch mit Adjektiven eine Verbindung eingehen. Diese Wörter werden dann parallel gebeugt, z. B. einiges bescheidenes Glück, einige glückliche Zeit, einiger ruhiger Raum, einige schöne Momente.

Auch wenige macht eine quantifizierende Aussage. Es ist wie viele ein Zahladjektiv. Als Adjektiv ist es flektierbar und substantivierbar, z. B. wenigen Menschen, den Wenigen, das Wenige. Als Zahladjektiv tritt es pluralisch auf. Es richtet sich nach dem zugehörigen Substantiv, z. B. das wenige Essen, die wenigen Menschen.

Bei wenig – wie auch viel – handelt es sich um einen Grenzfall zwischen Adjektiv einerseits und Artikelwort und Pronomen andererseits. Unflektierbar tritt es in folgendem Zusammenhang auf, z. B. wenig Geld, wenig Hoffnung, wenig Geduld. Es kann auch die Rolle eines Pronomens einnehmen, z. B. wenige sind anwesend. Es lässt sich wie ein Adjektiv steigern: wenig, weniger, am wenigsten. In flektierten Formen folgt es adjektivischen Mustern, z. B. das wenige Glück, die wenige Zeit. Deutlich wird dies, wenn wenige durch ein beliebiges Adjektiv ersetzt wird, z. B: das kleine Glück, die schöne Zeit. Nach flektierten Formen werden die nachfolgenden Adjektive parallel flektiert, z. B. das wenige, bescheidene Glück, die wenige, glückliche Zeit, der wenige, ruhige Raum, die wenigen, schönen Momente. Als Adverb ist wenig unveränderlich, z. B. wenig hilfreich.

Bei der Gegenüberstellung der englischen Entsprechungen erschließen sich die unterschiedlichen Bedeutungen. Denn das Englische hält für einige some bereit, dagegen für einig unitedeinig sein, to agree. Für wenige steht few, für wenig little. Diese Differenzierungen lassen die im Deutschen schwer durchschaubaren Überschneidungen deutlicher werden.

einige ist ein Indefinitum, wenige ist ein unbestimmtes Zahladjektiv.

Im Unterschied zu unbestimmten Zahladjektiven können Indefinita nicht nach anderen Artikelwörtern stehen. Dies verdeutlicht eine Einsetzungsprobe:

einige – *die einigen* Bücher – also Indefinitum

wenige – die wenigen Bücher – also Zahladjektiv

Zunächst erscheint die Abweichung zwischen beiden Wörtern nur geringfügig. Beide, einige und wenige, dienen dazu, unbestimmte Mengen zu beschreiben. Die Differenz zeigt sich in zwei Merkmalen: Das Indefinitpronomen einige kann als Pronomen ein Substantiv nur ersetzen – also nicht nach einem Artikel stehen. Das Zahladjektiv wenige ist substantivierbar, kann also mit Artikel stehen und als Pronomen die Stelle eines Substantivs einnehmen. Daneben hebt es sich durch Steigerungsfähigkeit von einem Indefinitum ab. Diese Besonderheiten kennzeichnen das unterschiedliche Auftreten.

(Zu den grammatikalischen Einordnungen vgl. DuGra 2005, RN 409 und 434)

Gunhild Simon
06. Februar 2007

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