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Früchte, Obst und Gemüse

“Esst mehr Früchte!” so lautete das Motto, das auf den Tüten stand, in denen man frische pflanzliche Kost erstand. Damit war natürlich Obst gemeint.

Worin besteht der Unterschied zwischen Früchten und Obst?

Frucht ist vornehmlich ein botanischer Begriff. Er beschreibt die Frucht als Hülle der Samen, bestehend aus unterschiedlichem Material. Das können Kapseln, Hülsen, Stachelhüllen, Zapfen, Beeren oder häutige Flugvorrichtungen sein. Essbare Früchte bestehen aus Fruchtfleisch. Die darin eingebetteten Samen – Kerne, Steine – werden, wenn sie ungenießbar sind, entfernt.

Aus diesem Blickwinkel wird deutlich, dass es Früchte gibt, die als Obst verzehrt werden, und solche, die als Gemüse angesehen werden. Der Unterschied besteht im Prinzip darin, dass Obst roh genossen wird, während Gemüse ürsprünglich zum Garen gedacht war.

Man unterscheidet also innerhalb der Gemüse Fruchtgemüse (Paprika, Auberginen, Kürbis), Blattgemüse (Kohl, Mangold, Spinat), Wurzelgemüse (Karotten, Sellerie, Rote Bete), Zwiebelgemüse (Zwiebeln, Porree, Knoblauch) und Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Linsen). Dazu kommen eingelegte Beilagen wie Oliven, Kapern, Pepperonischoten.

Der Begriff Salat, der im Deutschen für alle rohgenossenen Blattgemüse – Feld-, Kopf-, Eisbergsalat, Chicoree, Rucola und Spinat – üblich ist, ist genau besehen irreführend. Er sagt nämlich nur etwas aus über die Zubereitung mit einem Dressing. Die Sortennamen sind also die eigentlichen Bezeichnungen. Das ist der Grund für Missverständnisse in Fremdsprachen, in denen salad, salade oder insalata die spezifische Zubereitung roher Zutaten bezeichnet

In der modernen Ernährung hat sich das Kochprinzip von Gemüse zugunsten von Rohkost gelockert. Viele Gemüse sind auch als Salate attraktiv und schmackhaft, wie Paprika, Spinat, Karotten, Tomaten, Zwiebeln.

Ein weiterer Unterschied zwischen Obst und Gemüse ist, dass Obst in der Tendenz als süß empfunden wird, während Gemüse eher als salziges Gericht gesehen wird.

Nüsse sind Samen, die von einer schützenden Schale umhüllt sind. Beim Vergleich einer Walnuss mit einem Pfirsich erkennt man die Parallelen und die Unterschiede, die die Genießbarkeit betreffen. Im Pfirsich befindet sich ein nussgroßer zerklüfteter Kern, der einen weichen ungenießbaren Samen enthält. Den Kern umhüllt essbares Fruchtfleisch. Bei der Walnuss ist es umgekehrt. Das grüne Fruchtfleisch ist bitter und ungenießbar, während die Nuss einen essbaren, nahrhaften Kern beherbergt. Dies erklärt, dass man Nüsse zum Obst rechnet.

Während Frucht sich von den lateinischen Wörtern frux, frugis pl. fruges, Feldfrüchte, Ertrag, und fructus, fructus, Ertrag, Gewinn, ableitet, was sich auch in fremdsprachlichen Bezeichnungen niederschlägt – französisch und englisch fruit, italienisch frutto, spanisch fruto, fruta - bedeutet Obst Zukost, Beikost. In früherer Zeit bezeichnete es alle Beilagen, die man neben Brot und Fleisch zu sich nahm. Als Wortform ist das Obst ein Singulare tantum, ein formaler Singular mit pluralischer Bedeutung. Einen Singular zu bilden ist nicht möglich, es sei denn man umschreibt es schwerfällig mit “ein Stück Obst”. Dafür dürfte sich der unübliche Begriff Frucht eingebürgert haben.

Gemüse gibt schon bei genauerer Betrachtung seine Bedeutung und herkömmliche Zubereitung preis: Gemustes, Musiges. Diese Anschauung stammt mit Sicherheit aus einer Zeit, als Gemüsen weniger Zartheit eigen war, während heute schonende Garverfahren bevorzugt werden.

So gesehen ist Frucht eine botanische Angabe, während die Begriffe Obst und Gemüse Hinweise auf die Nutzung von prinzipiell unbearbeiteten pflanzlichen Lebensmitteln sind.

Gunhild Simon
Nov 10 2010

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