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Funktionsverbgefüge

Im normalen Sprachgebrauch verzichtet man gern auf Substantivierungen, weil sie steif und leblos klingen. Im juristischen und behördlichen Sprachgebrauch denkt man anders. Man verzichtet nur ungern darauf, denn Steifheit und Unlebendigkeit ist gewollt. In festgefügten Wortverbindungen aus Substantiven und Verben ist das Substantiv sinntragend.

Bei solchen Funktionsverbgefügen ist die Wahl des richtigen Verbs für Laien nicht immer leicht.

Funktionsverbgefüge bezeichnet ein Gefüge aus Verb und Substantiv. Es enthält ein Funktionsverb, dessen Inhalt verblasst ist, während der nominale oder substantivische Teil, das Substantiv, den Inhalt der Fügung bestimmt.

Typische Funktionsverben sind  stellen, einlegen, üben, erheben, führen, durchführen,  geben, erteilen, erfolgen, nehmen, finden, erfahren, genießen, erhalten.

Beispiele, die im Bereich der juristischen- und Verwaltungssprache besonders häufig sind:

  • Ersatz, Verzicht, Folge, Hilfe, Widerstand leisten
  • Kritik an, Nachsicht mit, Verrat an, Zurückhaltung üben
  • das Versprechen, die Erlaubnis, Antwort, Zusicherung, Anregung, den Rat, Befehl, Auftrag geben / erteilen
  • Anerkennung, Anwendung, Aufnahme, Berücksichtigung, Erwähnung, Unterstützung finden / genießen / erfahren
  • Im Unterschied zu strukturell ähnlichen direkten Objekten oder präpositionalen Ergänzungen sind bei Funktionsverbgefügen die Artikel festgelegt und können nicht durch ein Pronomen ersetzt werden. Deshalb kann den substantivischen Teil des Wortgefüges auch weder ein Pronomen ersetzen, noch ein beliebiges Attribut es erweitern. Daraus ergibt sich, dass der substantivische Teil nicht durch negierende Indefinitpronomen wie kein negiert werden kann, sondern nur das Verb durch nicht negiert werden kann. Auch Passivkonstruktionen sind wegen der starren, oft intransitiven Verbwahl nicht immer möglich. Daher kommt es oft zu umständlich wirkenden Verben.

    Beispiel:

  • § xy findet Anwendung / kommt zur Anwendung.
  • Man bringt § xy zur Anwendung
  • § xy wird zur Anwendung gebracht.
  • Gunhild Simon
    Okt 18 2009

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