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Genuskongruenz

Kongruenz bedeutet die Übereinstimmung in Geschlecht, Anzahl und Fall. Im Lateinunterricht lautet die Formel dafür: GNK (Genus, Numerus und Kasus)- Kongruenz.

Beim Lateinlernen bezieht sich dieses Gebot zunächst auf Attribute, die ihre Endungen an das Beziehungswort anpassen. In diesem Fach geht es überwiegend um Übersetzugen. Daher ist es wichtig, die jeweilige Übereinstimmung der Endungen zu erkennen, um die richtige Beziehung oft weit voneinander entfernt stehender Zugehörigkeiten zu herzustellen..

Attribute sind Beifügungen zu Substantiven, Pronomen, Substantivierungen – also beispielsweise Adjektive. Pronomen [1], insbesondere die Possessivpronomen [2] sind im Lateinischen adjektivähnlich strukturiert, während sie im Deutschen gleichzeitig den bei Adjektiven unabdingbaren Artikel ersetzen.

In der Adjektivdeklination ersetzt das Pronomen den unbestimmten Arikel und verhält sich genauso wie dieser zu den nachfolgenden Endungen der adjektivischen Attribute.

So ersetzt in den folgenden Beispielen das Possessivpronomen den Artikel:

mein Vater – der/ ein Vater, meine Tante – die/ eine Tante, mein Auto – das/ ein Auto
ein/ mein guter Vater – eine/ meine alte Tante – ein/ mein neues Auto

Für Muttersprachler ist die Genuskongruenz auch in den komplizierteren Fällen der Adjektivdeklination unproblematisch:

meinem schönen, neuen langen Kleid – meine beiden besten alten Freundinnen – allen meinen lieben, langjährigen Bekannten

Kompliziert wird es jedoch auch im Deutschen, wenn sich die Kongruenz zwischen zwei aufeinander bezogenen Wörtern nicht unmittelbar aus ihrer Stellung zueinander ergibt, sondern der logische Zusammenhang, also präzises Textverständnis, entscheidend ist.

Das Problem verbirgt sich leicht hinter mehreren Substantiven unterschiedlichen Geschlechts, die in dem fraglichen Satz mitspielen. Dann verführt das Geschlecht des Subjekts unversehens dazu, ein falsches Possessivpronomen, das sich auf das andersgeschlechtliche Objekt (oder hier das Genitivattribut) zu beziehen hätte, zu gebrauchen:

*Die Aussage des Sprechers hatte seine Berechtigung.

In der folgenden Werbephrase wird das Possessivpronomen gar nicht mehr als geschlechtsrelevant erkannt:

*Qualität, die seinesgleichen sucht.

[1] Der korrekte Plural lautet Pronomina. Ich verzichte darauf, um den Text nicht unnötig damit aufzublähen.

[2] Possessivpronomen könnte man im Lateinischen auch als Possessivadjektiv bezeichnen.

Gunhild Simon
Dez 06 2010

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