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Heim, Heimat, Heirat

Heim ist ein gemeingermanisches Wort, mittelhochdeutsch und althochdeutsch heim. Es bedeutet “da, wo man sich niederlässt”, Haus, Wohnung, englisch home, schwedisch hem. Weiter steht damit Heirat, heiraten in Verbindung.

Heirat bedeutet ursprünglich Hausbesorgung. Dazu gehört auch geheuer, zugehörig, vertraut, das nur noch in der verneinten Wendung “nicht geheuer”, unheimlich, auftritt. Unheimlich ist die Verneinung von heimlich, geheim, mit der wörtlichen Bedeutung zum Haus gehörig, einheimisch, vertraut, das nach heutigem Sprachgefühl nur noch in der Bedeutung von verborgen, verstohlen, verdeckt verwendet wird. Dagegen ist das Adjektiv heimelig der positive Gegenbegriff.

Auch Heimat, mittelhochdeutsch heimuot(e), steht damit in enger Verbindung. Es ist eine Zusammensetzung aus heim und einem nicht mehr eindeutig erhaltenen alt- und mittelhochdeutschen Suffix -oede, -oete, das noch in einigen anderen Begriffen wie Armut, Einöde, Kleinod erkennbar ist.

Das süddeutsche und österreichische heuer, heurig, aus dem mittelhochdeutschen Temporaladverb hiure, althochdeutsch hiu, hiesig, jetzig, hängt mit heute zusammen.

Neben dem Adverb heim steht erst seit jüngerer Zeit wieder das Substantiv Heim, das unter englischem Einfluss, home, in den Sprachgebrauch zurückkehrte.

Wie in vielen deutschen Ortsnamen - Rosenheim, Bochum, Dahlem - ist das Wort erkennbar in englischen - Nottingham, Birmingham. Neben heim, nach Haus, und daheim, zu Hause, kam verdeutlichend in frühneuhochdeutscher Zeit das Adverb anheim auf, das heute nur noch übertragen gebraucht findet.

So lautet das Verb in dem Kirchenlied von 1563 “Von Gott will ich nicht lassen”, EG 365, in der 3. Strophe “… ihm sei es heimgestellt”, ihm sei es anvertraut. Heute wird daraus anheimstellen, überlassen.

Ähnliche Verbbildungen, die überwiegend in der Kanzleisprache üblich sind:

anheimgeben - übergeben

anheimfallen - zufallen

heimfallen - an den ursprünglichen Besitzer zurückfallen

Andere, deren ursprüngliche Bedeutung sich verkehrt hat:

heimsuchen - zunächst in freundlicher, inzwischen nur noch feindlicher Absicht aufsuchen, überfallen

heimleuchten - eigentlich nach Hause geleiten, inzwischen fortjagen, jemandem “Beine machen”

Heimgang und heimgehen sind euphemistische Bezeichnungen für Sterben.

Dagegen liegt Heimtücke und heimtückisch nicht heim, vertraut, sondern Häme, Gemeinheit, zugrunde.

Gunhild Simon
22.06.2009

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