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Hilfsverben bilden unterschiedliche Partizipien im Perfekt

Verwendet man ein Verb in einer zusammengesetzten Zeit der Vergangenheit, Perfekt (»vollendet«) oder Plusquamperfekt (»mehr als vollendet«), wie sie in Anlehnung an die lateinischen Bezeichnungen heißen, gehört dazu ein Partizip. Es nennt sich Partizip Perfekt, weil es zu den Vergangenheitsformen gehört. Es ist ein veränderlicher Teil des Verbs und heißt deshalb infinit (»unbeendet«). Daraus erklärt sich auch der Begriff Infinitiv. Dieser Grundform liegen alle Formen des Verbs zugrunde.

Das Perfekt benötigt in der Regel ein Präfix, eine Vorsilbe. Sie lautet meistens ge-, z. B. kommen – gekommen, lieben – geliebt. Bei Verben, die bereits ein eigenes Präfix, z. B. ver-, zer-, ent-, ge- und einige andere in ihrem Infinitiv mitbringen, bleibt dieses bestehen, z. B. verlieren – verloren, zerrinnen – zerronnen, entgehen – entgangen, gewinnen – gewonnen, umgéhen – umgangen.

Auch die modalen Hilfsverben, solche also, die Umstände des Tuns normalerweise differenzieren – müssen, sollen, dürfen, mögen, wollen, können, (nicht)brauchen – können das Partizip prinzipiell nach diesem Muster bilden, jedenfalls solange sie als Vollverb fungieren, z. B. ich kann das nicht. Ich habe das nicht gekonnt.

Als modale Hilfsverben jedoch bilden sie anstelle des Partizips den Infinitiv: Ich kann nicht kommen. Ich habe nicht kommen können. Du sollst einkaufen. Du hast einkaufen sollen. Du brauchst mir nicht zu helfen. Du hättest mir nicht zu helfen brauchen.

Neben den modalen Hilfsverben bildet das Verb werden unregelmäßige Formen, die von seinem Gebrauch abhängen und auf den ersten Blick ungrammatisch erscheinen.

Das Verb werden hat dreierlei Bedeutung und tritt in unterschiedlichen Zusammenhängen auf. Es kann entweder als Vollverb, alstemporäres Hilfsverb im Futur oder als passivisches Hilfsverb im Passiv fungieren.

Diese Funktionen sollen näher erläutert werden:

– Während Vollverben selbständig auftreten, sollen Hilfsverben eine Aussage modifizieren oder vervollständigen.

– Das Futur, die grammatische Zukunft, benötigt als zusammengesetzte Zeit ein Hilfsverb zur Vervollständigung der Aussage. Diese Aufgabe übernimmt werden.

– Das Passiv benötigt ebenfalls ein Hilfsverb, es wird im Deutschen gleichermaßen mit werden gebildet. Das Genus Verbi, Passiv (»Leideform«) oder Aktiv (»Tatform«), gibt die Verhaltensrichtung des Verbs an. Nur Verben, die ein Akkusativobjekt haben können, können das Passiv bilden. Dieses Merkmal der Übertragbarkeit heißt transitiv. Nichtakkusativische Verben sind also intransitiv.

Im Einzelnen erscheint werden in folgenden Formen:

1. Als Vollverb signalisiert werden, geworden eine Zustandsveränderung, z. B. ich werde älter – ich bin älter geworden; er wird Lehrer – er ist Lehrer geworden; falsch: *er ist Lehrer worden*.

2. Infinitivlos regiert es als temporäres Hilfsverb des Futurs den Infinitiv eines anderen Verbs, erscheint hier also nur in finiter Form z. B. ich gehe, ich werde gehen.

3. Das passivische Hilfsverb lautet werden, worden. Formt man das Aktiv zum Passiv um, indem das Akkusativobjekt zum Subjekt wird, so verkehren sich die Subjektaktanten, die Rollen der handelnden Personen, z. B. ich tröste dich – du wirst von mir getröstet; ich habe dich getröstet – du bist von mir getröstet worden; er streichelt den Hund – der Hund ist von ihm gestreichelt worden; falsch: *der Hund ist gestreichelt geworden*.

Das Partizip Perfekt von werden als Vollverb lautet also geworden, während das des Passivhilfsverbs die unregelmäßige Form worden annimmt.

Hier wird eine Parallele zu den modalen Hilfsverben sichtbar, die formal ähnlich, jedoch mit der Infinitivform anstelle des Partizips in den zusammengesetzten Zeiten der Vergangenheit auftreten. Dies ist eine Besonderheit der deutschen Sprache.

Gunhild Simon
19. Februar 2007

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