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Meineid

Ein Meineid ist ein wissentlich falscher Eid, ein Falscheid. Es ist ein Schwur, mit dem jemand seinen eigenen oder den Kopf seines Verbündeten aus der Schlinge ziehen will. Dieser Schwur ist die ultima ratio, wenn Beweismittel versagen. Auch wenn er nur aus Worten besteht, ist er dennch unter drakonische Strafe gestellt. Der Eid ist nämlich das letzte verbale Mittel, das zu gesellschaftlicher Loyalität zwingt.

Was aber hat es sprachlich mit dem Wort “Meineid” auf sich?

Nichts spricht dafür, dass “mein” als Possessivpronomen - “mein Eid” - zu verstehen wäre.

“Mein-” hat also eine andere Bedeutung.

Zugrunde liegt ihm das alt- und mittelhochdeutsche mein, falsch, betrügerisch, das seinerseits aus einem im Neuhochdeutschen untergegangenen Adjektiv maina, falsch, hervorgegangen ist. Im Mittelhochdeutschen stand neben meineit auch der Begriff meiner eit für falscher Eid.

Offenbar ist es die Silbe mein- oder mei-, die im Indogermanischen etwas wie
“wechseln, vertauschen” ausdrückt.

Diese Aussage steckt auch in “meiden” und allen mit “miß-” zusammengesetzten Wörtern.

Auch “gemein” mit der Bedeutung “mehreren abwechselnd zukommend”
enthält diese Anmutung von Alltäglichkeit, woraus sich “niedrig, nieder,
niederträchtig” entwickelt hat. Darin besteht die Verbindung zu “gemeinsam,
gemeinschaftlich, allgemein, Gemeinde”.

Auch die mittelalterliche Gemeinschaftsweide, die Allmende, zielt auf den Begriff des Gemeinen, des allen zur Verfügung Stehenden: mittelhochdeutsch allgemeinde, almende. ‘was allen gemein ist’.

Vgl. zum Thema Eid, Schwur, Meineid auch:
http://www.blog1.institut1.de/schwur-eid-und-meineid/

Gunhild Simon
Jul 17 2012

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