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Models auf dem Laufsteg

Steg ist ein kaum mehr gebräuchliches Wort, denn wo gibt es heute noch einen Steg oder Stieg?

Die Redensart “ohne Weg noch Steg” deutet darauf hin, dass ein Steg ein von Menschenhand angelegter gangbarer Weg ist. Denn bevor Au- und Uferwiesen geschützt, Moore und Sümpfe trockengelegt waren, mussten Wege und Pfade mit Stegen verbunden werden, damit man nicht unversehens im Nassen versank.

Heute weisen noch Bürgersteig und hamburgische Straßennamen auf diese von Straßenkot und Sumpf abgehobenen Gehsteige hin - allen voran der Hamburger Jungernstieg am Ufer der Binnenalster.

Dass Stieg, Steig und Steg als ursprünglich aus Brettern errichteter schmaler Gehsteig sprachlich verwandt sind, liegt auf der Hand. Man besteigt den erhöhten Lauf- oder Bootssteg.

Im Laufsteg ist das Wort Steg noch lebendig. Da es aber so ungewohnt ist, verwundert es kaum, dass der Plural schon abhanden gekommen ist, sodass Ungeübte schon “die Laufstegs” in Anlehnung an den englischen Plural des entsprechenden Wortes catwalk bilden.

In Catwalk kommt bei genauerem Hinsehen die Schmalheit des Laufstegs treffend zum Ausdruck.

Wer einmal beobachtet hat, mit welch traumwandlerischer Sicherheit Katzen auf schmalen Simsen in einer einzigen Spur ihrer vier Füße gehen, der bekommt eine Idee der halsbrecherischen Anforderungen an den Gang eines Models. Ursprünglich als unabdingbare Fähigkeit erlernt, um nicht zu stürzen, ist dieser Gang - die Füße graziös, wenn nicht gar über Kreuz, so doch in einer Linie voreinander zu setzen - das Markenzeichen des Models.
Der Plural Models ist schon so geläufig, daß manche ihn für den alleingültigen ansehen. Dabei ist ein Unterschied zwischen Bikinimodels und Bikinimodellen denkbar.

Ein Model ist ein Mensch, an dessen Körper etwas vorgeführt wird. Models sind oft junge Menschen, die, je schmaler und glatter, desto beliebiger anzuziehen und zu schminken sind. Aber es gibt auch weniger spektakuläre Models, die für alle Art von Werbefotos zu buchen sind.

Die zu Model gehörige Tätigkeit drückt das Wort modeln [moddeln] aus, nicht zu verwechseln mit (um)modeln[moodeln], dem Modell zugrundeliegt. Modell hat unterschiedliche Bedeutungen. Es bedeutet im weitesten Sinne Vorbild. In der Mode ging das Modell dem Model voraus. Es hieß ganz schlicht Vorführdame, dann Mannequin. Dieses so bedeutend klingende französische Wort hieß ursprünglich Gliederpuppe, die Holzpuppe, die Maler und Bildhauer als Vorlage verwenden. Der Ursprungsname ist also niederländisch maneken, niederdeutsch “Männeken”, Männchen.

Gunhild Simon
2.10.2009

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