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pochen

Wild zuckt der Blitz. In fahlem Lichte steht ein Turm.
Der Donner rollt. Ein Reiter kämpft mit seinem Ross,
Springt ab und pocht ansTor und lärmt. Sein Mantel saust
Im Wind. Er hält den scheuen Fuchs am Zügel fest.
Ein schmales Gitterfenster schimmert goldenhell
Und knarrend öffnet jetzt das Tor ein Edelmann . . .

Aus: Die Füße im Feuer von Conrad Ferdinand Meyer (1864) [1]

Der Text lässt keinen Zweifel: Es handelt sich um eine Ballade, hochsprachlich, poetisch, dramatisch, expressiv.

Während eines Unwetters pocht, klopft, rüttelt ein nächtens verschlagener Fremder am Tor und begehrt energisch Einlass.

Die Bilder des Klopfens, Rüttelns, Rufens ergeben das Gesamtbild ungeduldigen, gebieterischen Harrens an einer verschlossenen Tür.

Darin werden Überschneidungen, sogar Verwechslungen im heute üblichen übertragenen Sinn des Verbs pochen sichtbar.

Hier steht pochen mit dem Akkusativ, pocht ans Tor. Während klopfen und pochen im figürlichen Sinn auch oft die Präpositionen an oder in mit dem Dativ folgen, wird pochen im metaphorischen Gebrauch mit der Präposition auf nur mit dem Akkusativ verbunden.

Beispiele für den Gebrauch:

Es pocht.
Es pocht an der Tür.
Das Blut pochte ihm in den Schläfen.
Er pocht auf sein Grundrecht (seinen Anspruch, seine Privilegien).

Sobald eine Person ins Spiel gebracht wird, wechselt man vom Dativ bei unpersönichen Formulierungen wie “Es pocht” – “Es pocht an der Tür” zum Akkusativ: “Jemand pocht an die Tür”. Während man an einer Tür rüttelt, pocht man an eine Tür. Nicht anders im übertragenen Sinn: rütteln an den Grundfesten, Grundrechten, Grundpfeilern, jedoch pochen auf die Ansprüche, Rechte, Privilegien.

Während man heute im figürlichen Sinn nur noch von klopfen spricht, ist pochen metaphorisch im Sinne von nachdrücklich bestehen, beharren üblich. Hier ist nur der Akkusativ angebracht. Das geht aus den Wörterbüchern durchaus nicht eindeutig hevor, weil die Formulierung mit dem Indefinitpronomen auf etwas pochen/bestehen/beharren/sich auf etwas berufen den Kasus nicht markiert. Dagegen wird dies in älteren Ausgaben des Stil-Wörterbuchs von Duden noch exemplifiziert.

Die Ausgaben von 1970 und 1963 geben einheitlich folgende Beispiele an:

1. (dichterisch)

a) klopfen: an die Tür, gegen die Wand
b) anklopfen: leise -, kräftig pochen
c) es pocht, hatte gepocht – jmd. klopft an
d) etw. pocht, etw. schlägt. das Herz pocht vor Freude
etw. pocht jdm mit Raumangabe: das Blut pocht ihm in den Schläfen

2. (gehoben)

- auf etwas pochen sich auf etw. berufen
- auf sein Geld pochen
- auf seinen Vertrag pochen
- auf sein Recht pochen

All diese Beispiele zeigen das intransitive pochen.

Fachsprachlich ist der transitive Gebrauch anzuführen:

etwas pochen, ist Bergmannssprache für zerklopfen:
Kohle, Erz pochen

Aus einem Gedicht Christian Morgensterns “Die drei Spatzen” [2], kennt man noch das Gepoch des Herzens:
“Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind,
So sitzen sie noch.”

[1] Conrad Ferdinand Meyer (1825- 1898): Die Füße im Feuer – Gedicht und Hintergrund

[2] Christian Morgenstern: Die drei Spatzen

Gunhild Simon
Apr 20 2010

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