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Rind oder Kuh?

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Kuh ein Synonym für das weibliche Rind, schließlich das Muttertier. Man spricht von Kuhmilch, um sie von Ziegen-, Schafs- oder gar pflanzlicher Sojamilch zu unterscheiden.
Kuh, Bulle und Kalb sind keine Gattungsbezeichnungen, sondern sie geben einen Hinweis auf die Reife innerhalb ihrer Gattung und die Rolle innerhalb der Lebensgemeinschaft. Die Gattung ist das Rind, die Rolle ist Kuh.

Rind ist also der Oberbegriff, während Kuh aussagt, dass das Rind bereits gekalbt hat, denn erst dann ist es dazu in der Lage, Milch zu geben. Das männliche Rind ist ein Stier, das Kalb ist ein Junges. Was ist aber dann ein Bulle, was ein Ochse?

Ein Stier ist gleichzeitig ein Bulle, wenn er geschlechtsreif ist und in dieser Rolle beschrieben wird. Ein Ochse ist ein kastrierter Stier. Ochsen werden kastriert, weil sie dadurch gefügig werden. Von Stierkämpfen weiß man, wie aggressiv Stiere werden, wenn man sie reizt. Man hüte sich davor eine Kuhweide aufzusuchen, wo ein Bulle seine Herde beschützt.

So erklärt sich, dass die Bezeichnungen Kuh, Bulle und Kalb auch auf andere Tiere übertragen werden – vornehmlich auf große grasende Herdentiere und Paarhufer, also auf Büffel, Elche und Hirsche. Daraus ergeben sich Elchkuh und Elchkalb, Hirschkuh, Hirschkalb. Aber auch auf exotische Tiere dehnt sich diese Terminologie aus: Elefanten und Giraffen – Elefantenbulle, Giraffenkalb.

Kleinere Paarhufer wie Schaf, Ziege, Reh haben eigene Bezeichnungen, wie wie sich etwa an Schaf-, Ziegen- und Rehbock zeigt.

Auch schwere, dem Lebensraum Wasser eng verbundene Säuger wie die Pflanzenfresser Flusspferd, Nilpferd und Seekuh, die im Salzwasser lebenden Fischjäger Walross und Seehund werden so markiert. Diese Tiere leben in Herden, also größeren Fress-, Jagd- und Lebensverbänden, die für die Sicherheit von Weibchen und Nachwuchs bürgen.

Das Flusspferdweibchen ist also keine Stute, sondern eine Flusspferdkuh, der männliche Seehund ein Seehundbulle – ebenso wie das männliche Walross kein “Walhengst”, sondern ein Walrossbulle ist – im Unterschied zu einem Walbullen, denn der ist das ausgewachsene männliche Exemplar eines Wal”fisches”.

Der Wal ist natürlich kein Fisch, sondern als größtes Säugetier der Erde ein lungenatmender Meeresbewohner. Am Skelett des Wals lassen sich seine säugetiernahen Gliedmaßen, die sich dem Leben im Wasser im Laufe der Evolution angepasst haben, zurückverfolgen.

Gunhild Simon
Jun 12 2010

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