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Stevia rebaudiana - das süße Vermächtnis der Inka

Fernsehen macht dumm, faul und - dick. Ein geflügeltes Wort aus dem Mund der Familienministerin. Und sie ist dazu berufen als Hüterin von Kindheit und Jugend. Denn zumindest das Dickmachen könnte man einschränken - jedenfalls, sofern es nicht nur dem Bewegungsmangel geschuldet ist, sondern von Schokoriegeln und Gummibärchen rührt.

Das Fatale am Zucker ist: Man kann nie genug davon kriegen. Einmal, weil man aus Gewohnheit immer ein bisschen mehr nimmt, um den süßen Kick zu schmecken. Schwerer fällt jedoch der Jo-Jo-Effekt in die Waagschale.

Der Jo-Jo-Effekt ist ein Bild nach dem Spielzeug, das sich scheinbar wie von Zauberhand hin- und her-, auf- und abrollt. Es besagt in diesem Zusammenhang, dass durch die Zufuhr an hochkonzentrierter Energie, wie sie Zucker ist, der Blutzuckerspiegel rasant ansteigt - ein Energieschub, der aber genauso schnell wieder verebbt, weil nicht sukzessive nachgeliefert wird. Der plötzliche Abfall des Blutzuckerspiegels wird vom Gehirn wiederum als Hunger registriert, so dass ein erneuter Griff in die Tüte erfolgen muss.

Neben den wachsenden Fettringen um Hals und Hüfte, Brust und Bein schadet Zucker den Zähnen. Wenn ich früher einen Blick über die Schulter der Schulärztin auf die Gebisse der neuen Schulkinder werfen durfte, so weissagte sie mir, wer gerade erst aus Anatolien gekommen war und wer in Deutschlnd geboren war. Die ehemaligen Dorfkinder hatten meist gesunde, blanke Zähne, manche heimische ABC-Schützen dagegen schon schwarze Milchzahnstümpfe. Ich gebe zu, das Bild entstammt den siebziger Jahren. Aber der Eindruck hat sich eingeprägt.

Nun könnte es Abhilfe geben. Mit dem Honigblatt ist ein Kraut gewachsen gegen Zuckersucht, Diabetes und gegen Karies. Und sogar der Hypertonie, dem Bluthochdruck, könnte es milde entgegenwirken. [1]

Schon vor einem halben Jahrtausend pflegten die Indianer im Gebiet zwischen Paraguay und Brasilien ihren Matetee mit den Blättern einer einheimischen Wildpflanze zu süßen. Sie ist krautig, mit unscheinbaren weißen Blüten. Aus den getrockneten, zerriebenen Blättern lässt sich ein Pulver herstellen, das die 300-fache Süßkraft von Zucker hat. Ohne Nebenwirkungen und Beigeschmack, wie sie synthetische Süßstoffe in Verruf bringen. Sogar mit den Wirkungen einer Heilpflanze, denn sie wirken blutdrucksenkend und kariesprophylaktisch. All das ist keineswegs neu. Diese Untersuchungen sind schon fast 80 Jahre alt. In Asien hat die Pflanze schon einen Marktanteil von 75% gegenüber Industriezucker. [2]

Warum ist hierzulande der Anbau und der Verkauf verboten, als handele es sich um Hanf oder Schlafmohn?

Es gab großangelegte Versuchsreihen, die Spekulationen erhärten sollten, dass schädliche Nebenwirkungen zu erwarten wären. Im Tierversuch an zwangsernährten Ratten und Hamstern fand man eine Herabsetzung der männlichen Fertilität, der Zeugungsfähigkeit. Einzelheiten beiseitegelassen müsste ein Mensch täglich über einen versuchsrelevanten Zeitraum mehr als die Hälfte seines Körpergewichts an frischen Stevia-Blättern zu sich nehmen, um ein vergleichbares Versuchsergebnis zu erwirken. Bezieht man jedoch die Süßkraft von Stevia mit ein, so ergibt sich, dass bereits eine Menge in der Größenordnung eines halben Gramms Zucker genügte, um den Tagesbedarf zu decken.

Und selbst die grüne Farbe, die manchen Gerichten außer Kräutertee einen störenden Farbton verliehe, ließe sich entziehen - oder, wie bereits in Versuchen geschehen - einfach wegzüchten, so dass schließlich ein kalorien-, gift- und farbloses Pulver bleibt. Die Frage ist, ob es daran etwas zu verdienen gäbe. Industriezucker ist gewinnträchtig. Nur der Volksgesundheit ist er abträglich.

[1] DIE ZEIT, Nr. 47 vom 13. 11. 2008, S. 25- 29 Dossier: Das große Süßen

[2] 3-sat.online - Stevia: kalorienfrei und 300 Mal süßer als Zucker

Weiterführender Hinweis und Information:

Zeit Online: Das große Süßen

Wikipedia - Stevia rebaudiana

Gunhild Simon
18.11.2008

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