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Verbalkomplexe

Der Begriff Verbalkomplex beschreibt mehrteilige Verbformen. Dieser Terminus überschneidet sich mit dem syntaktischen Begriff Verbklammer.

Verbklammer bedeutet, dass im Hauptsatz das finite Verb als präfigiertes Verb mit trennbarem Präfix getrennt wird, indem nur der finite Verbteil an zweiter Stelle im Hauptsatz steht, während das Präfix als eigenständiges Wort an die letzte Stelle rückt.

Beispiel:

zurückkommen. Ich komme heute Abend erst sehr spät nach Hause zurück.

Mehrteilige Verbformen kommen im Deutschen in den zusammengesetzten Zeiten vor, in Strukturen, die den einfachen Infinitiv, sowie den mit “zu” erweiterten Infinitiv beteffen, und generell bei Modalverben, die eine Verbindung mit einem Verb eingehen, um die Bedingungen, die Modalität des Tuns zu beschreiben.

Beispiele:

I. Zusammengesetzte Zeiten:

ich werde … erleben (Futur)
ich werde …erlebt haben (Futur II)

ich habe … erlebt (Perfekt)
ich hatte … erlebt (Pluquamperfekt)

II. Einfache und mit zu erweiterte Infintive:

er hoffte zu überleben/ durchzuhalten
er war zu allem bereit, um zu überleben

III. Verbindungen mit Modalverben:

du darfst mich besuchen
er sollte mich in Ruhe lassen

Verbalkomplex ist der Ausdruck für den komplexen Zusammenhang, der sich in verbalen Bezügen ausdrückt.

Hier überschneiden sich die beiden scheinbar abgegrenzten Felder der Grammatik Wortartbestimmung und Satzbau. Denn der Verbalkomplex ist sowohl eine Verkettung von Verben als auch ein komplexes Prädikat, das sich aus dem finiten Verb und den damit verknüpften Infintivformen zusammensetzt.

Da mehrteilige Verbformen, wie sie das Passiv, die zusammengesetzten Zeiten, und die entspechenden Konjunktivformen repräsentieren, mit den Hilfverben sein, haben und werden gebildet werden, entstehen in diesen Konstellationen automatisch komplexe Verbformen, die daher mit diesem Terminus Verbalkomplex* gekennzeichnet werden.

Der Komplex, der durch den Einsatz von Modalverben (sofern sie nicht als Vollverb gebraucht werden zwangsläufig produziert wird, nennt sich Modalverbkomplex.

Die klassischen Modalverben sind:

müssen – die Pflicht,Verpflichtung haben, gezwungen sein
dürfen – die Erlaubnis, das Recht haben
sollen – die (moralische) Pflicht haben, etwas schuldig sein
können – die Möglichkeit haben
wollen – den Wunsch, Willen haben
mögen – ähnlich wie wollen, aber höflicher ausgedrückt
(nicht) brauchen – keine Verpflichtung haben

Modalverben sind also Verben, die eine bestimmte Eigenschaft haben, indem sie das Verb, dem sie zugeordnet sind modifizieren. Sie erfüllen eine bestimmte Aufgabe im Verhältnis zu einem anderen Verb. Also handelt es sich um eine Verbart, ein Verb, das die Umstände, unter denen etwas zustande kommt, beschreibt.

Modalverbkomplex dagegen ist eine Beschreibung des Zusammenhangs mehrerer Verben im Satz. Der Begriff bezieht sich also auf den Satzbau, die Syntax. Damit bestimmt man den ganzen Komplex des Prädikats, das aus einem Modalverb und einem weiteren Verb besteht.

Verbalkomplexe betreffen also mehrteilige Tempus-, Modus- und Passivformen des Verbs. Mehrteilige Tempusformen sind die zusammengesetzten Zeiten Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und Futur II.

Mehrteilige Konjunktivformen werden gebildet, indem das Hilfsverb als finites Verb in den konjunktivischen Modus übertragen wird. Das klingt simpel, wirkt aber aus sprachlicher Sicht immer sehr hochsprachlich. In der Umgangssprache wird, um den Konjunktiv auszudrücken, gerade bei Vollverben oft die würde-Form gebraucht. Auf diese Weise ist gerade hier eine nicht versiegende Quelle von Verbalkomplexen zu finden.

Bespiele:

Ich käme gern, aber ich fühle mich nicht gut. -> Ich würde gern kommen, …
Gingen wir ins Kino, wäre der Abend gerettet. -> Würden wir ins Kino gehen, wäre der Abend gerettet/ würde der Abend gerettet sein.
Er sagte, dass er komme. -> Er sagte, dass er kommen würde.

*Anhand der bisherigen Sätze kann man bereits mehrere Verbalkomplexe ausmachen, die ich der Veranschauung halber hier ausnahmsweise in Kursivschrift dargestellt habe.

Gunhild Simon
Feb 11 2011

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